Kommentar x Teresa Tramontana X Kommentar x Teresa Tramontana X Kommentar x Teresa Tramontana X Kommentar x Teresa Tramontana X Kommentar x Teresa Tramontana X Kommentar x Teresa Tramontana X Kommentar x Teresa Tramontana X Kommentar x Teresa Tramontana X

It’s A Man’s Man’s Man’s World

Arbeitsflächen. Stuhlhöhen. Sicherheitsgurte. Die Raumtemperatur. Automatische Türen. Warteschlangen vor den Toiletten. Die Schneeräumung im Winter. Unsere Vierzig-Stunden-Arbeitswoche. Der gemeinsame Nenner? Der Standard-Mann, für den unsere (Arbeits)Welt entwickelt wurde.

Wer das Buch Invisible Women von Caroline Criado-Perez gelesen hat, weiß, wovon wir sprechen: Dem Gender Data Gap. Der Gender Data Gap beschreibt eine riesige globale Datenlücke, die Frauen* in jedem Bereich des Lebens benachteiligt. Das reicht von der Konstruktion von Autosicherheitsgurten, der Schneeräumung in unseren Städten, dem Design von Smartphones, der Wirkung von Medikamenten, bis zu der Tatsache, dass Frauen* öfter an einem Herzinfarkt sterben, weil sich die Symptome anders äußern als bei Männern.

(c) Pamela Russmann

Und genau das ist der Punkt. Fast alle medizinischen, wissenschaftlichen und technologischen Daten werden von Männern erfasst und beruhen auf männlichen Standards und Präferenzen. Dieses Phänomen beschreibt Caroline Criado-Perez als den sogenannten Data Bias. Das bedeutet, dass über fünfzig Prozent der Weltbevölkerung bei allen Entscheidungen, Entwicklungen und Errungenschaften ignoriert werden. Denn frauenspezifische Daten gibt es kaum. Sie werden einfach nicht erhoben.

Das gilt auch für unsere Arbeitswelt. Nicht nur die Höhe und Ergonomie unserer Arbeitsmöbel, die Abmessungen und Vorschriften, die für den Arbeitsplatz gelten und die Temperatur in unseren Büros sind auf den 50-Perzentilen-Durchschnitts-Mann ausgerichtet. Auch alle grundlegenden Strukturen, Regelungen und Abläufe in unserem Arbeitsleben beruhen auf männlichen Interessen und Erfahrungen. Criado-Perez nennt dieses Phänomen The Default Male, den für alle geltenden männlichen Standard.

In ihrem Buch Pay Up beschreibt die Aktivistin und Unternehmerin Reshma Saujani die Auswirkungen dieser Tatsache auf Frauen* in der Arbeitswelt, die durch die COVID-19 Pandemie deutlich verstärkt wurden. In den Vereinigten Staaten alleine mussten über 2,5 Millionen Frauen* ihren Job verlassen, weil die fehlende Infrastruktur und die Doppelbelastung von bezahlter Arbeit und unbezahlter Care-Arbeit nicht mehr möglich war.

Auch in unseren Breiten zeigen unzählige Studien und Zahlen, dass unsere Arbeitswelt gegen Frauen* arbeitet. Das erklärt aktuelle Karenz- und Wiedereinstiegsmodelle, Kindergeldregelungen, eine unvereinbare Fünf-Tage-Woche, den Gender Pay Gap, die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit, die hohe Teilzeitquote von berufstätigen Müttern zwischen fünfundzwanzig und vierundvierzig Jahren und die unglaubliche Tatsache, dass Mütter in Österreich auch zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes über fünfzig Prozent weniger verdienen als im Jahr vor der Geburt.

Wir sind uns also einig: unsere Arbeitswelt wurde nicht für Frauen* entworfen. Sie arbeitet de facto gegen uns. Das müssen wir ändern. Und zwar nicht indem wir Frauen* „lernen“ wie man sich in einer männer-dominierten (Berufs)Welt durchschlägt. Sondern indem wir unsere Arbeitswelt ein für alle mal an die Bedürfnisse und Interessen von Frauen* anpasst. Gloria Steinem bringt es wie immer auf den Punkt: „Don’t try to make women fit the world – try to make the world fit women”.

Kommentar

Text: Teresa Tramontana

April 2022

Das könnte dich auch interessieren …