Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X Burcu Öztürkler & Melis Ergin Krychtiuk x Hamam-Kitchen-Towel X

Hamam auf Wienerisch

Contemporary meets tradition. Die beiden Gründerinnen Burcu und Melis sprudeln vor Leidenschaft, wenn sie über ihr Unternehmen El Patito Towels sprechen. Sie designen Hamam-Tücher neu und verwandeln sie in Tagesdecken, Bademäntel und Schals. Gleichzeitig fördern sie die Jahrtausende alte türkische Tradition der Stoffproduktion. Eine Kulturreise.

„Ja, ich will“, sagte Melis nicht nur zu ihrem angetrauten Ehemann, sondern auch zu ihrer Wahlheimat Wien, ihrer neuen Geschäftsidee und zur Zusammenarbeit mit ihrer Trauzeugin und künftigen Geschäftspartnerin, Burcu. Es war Juni 2017, der Startschuss für eine moderne, türkische Erfolgsgeschichte. Fünf Monate später wohnten die beiden Freundinnen mit ihren Männern in Wien und gründeten El Patito Towels, ein Start-up, das türkische Tradition in ein neues, zeitgenössisches Denken hüllt.

Aber beginnen wir am Anfang. Burcu und Melis wuchsen zusammen in Istanbul auf. Sie vertraten beide die Hands-on-Mentalität, die sie in ihren Karrieren weit nach vorne brachte. Ihre Jobs drehten sich immer ums Organisieren, Koordinieren und Managen. Als sie gemeinsam mit Kollegen erfolgreich ein türkisches Start-up aufbauten, keimte auch in ihnen der Wunsch, sich selbständig zu machen. Sie wollten nicht mehr für irgendwelche Chefs arbeiten, sie wollten sich etwas Eigenes aufbauen. Die Frage war nur: was?

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Während ihrer Suche lernten die beiden einen Freund von Burcus Mann kennen, der sie auf eine altbekannte, türkische Tradition aufmerksam machte: die Herstellung von Peshtemals, besser bekannt als Hamam-Tücher. Die Handtücher aus den türkischen Dampfbädern sind in der Türkei Alltagsgegenstände, mit denen Burcu und Melis aufgewachsen sind. Das wäre doch was. Der Freund vermittelte ihnen auch gleich den Familienbetrieb, der die Tücher noch herstellt. Gerade erst in Wien angekommen, beschlossen die vier Freunde, einen Online-Shop zu gründen. Sie wollten den türkischen Hamam-Tüchern ihrer Großmütter einen zeitgemäßen Touch verleihen und sich damit in Wien ein Geschäft aufbauen.

Die El Patito Towels kommen aus Buldan, Denizil, einem der letzten Dörfchen, in denen Stoffe aller Art von vielen kleinen Familien handgefertigt werden. Es sind die „Last Men Standing“, wie Burcu es ausdrückt. Sie gehören zu den letzten Personen, die diese Tradition aufrechterhalten, fortführen und sie an die nächste Generation weitergeben. Dort arbeiten alle an einem Strang. Die älteren Männer sitzen an ihren Webstühlen, die Töchter und Mütter bügeln, und die ältesten Frauen der Gemeinschaft geben den finalen Schliff: Sie sitzen im Kreis beisammen und knüpfen die Fransen am Rand der Tücher. Die Rohstoffe, also die Baumwolle, kommt von den eigenen Feldern rund um das Dorf. „In der Türkei sind die Anbaugebiete auch Bio-zertifiziert, aber in Österreich geht das nicht so einfach. Aber alle Tücher sind zu hundert Prozent aus natürlicher Baumwolle“, sagt Melis.

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Die Zusammenarbeit mit den Familien läuft recht temperamentvoll ab, denn beide Seiten arbeiten voller Leidenschaft. „Wir spielen uns mit den traditionellen Mustern und geben ihnen den El Patito-Touch durch feine Eigenkreationen. Wir bringen auch neue Farben ein, zumindest probieren wir es“, erzählt Burcu. Das ist gar nicht so einfach. Die beiden Unternehmerinnen geben sich sehr viel Mühe, bei jeder neuen Kollektion ihre Wünsche und Anforderungen zu vermitteln. Mit Power-Point-Präsentationen, Farbcodes von Photoshop und exakten Drucken übergeben sie den neuen Auftrag. Und dann kommt das Tuch in Rot statt in Pink zurück. Die Antwort der Produktionsseite: „Ich mag das aber lieber.“ Da könne man nicht mehr viel sagen, meinen die beiden. „Wir haben jetzt zwei Jahre probiert, dagegen anzukämpfen. Mittlerweile gehen wir mit dem Flow und arrangieren uns. Manche unserer Kreationen finden sie auch super, die weben sie dann wieder gerne ein“, erzählt Melis.

„Wir spielen uns mit den Mustern und geben ihnen den El Patito-Touch durch feine Eigenkreationen.“

Die Ideen gehen den beiden Türkinnen jedenfalls nicht aus. Sie wollen nicht einfach nur gewöhnliche Hamam-Tücher verkaufen, sondern ein Produkt, das man überall verwenden kann. Die leichten, geschmeidigen Baumwoll-Tücher halten gern auch als Tagesdecke, Schal oder Handtuch her. Je kreativer, desto besser. Ein bisschen umgeschneidert, und schon hat man einen Kimono oder einen Bademantel. „Bei mir sind sie Tücher überall im Einsatz. Und es ist eine tolle Motivation, die eigene Marke zu tragen. Das ist einfach genial“, sagt Burcu. „Wir schauen auch immer, ob wir irgendwo jemanden mit unseren Tüchern entdecken, am Strand oder in der U-Bahn. Gibt es eine Sichtung, drehen wir komplett durch, machen ein Foto und schicken es uns gegenseitig. Das macht einfach so viel Spaß“, ergänzt Melis.

Obwohl die beiden gerade erst Deutsch lernen, haben sie bereits ein gut funktionierendes Unternehmen in Österreich aufgebaut, das im Vorjahr sogar finanzielle Unterstützung von der Wiener Wirtschaftsagentur bekam. Das Geld investierten sie in ihren eigenen Online-Shop. Davor fand man El Patito Towels auf dem Online-Portal Etsy und den vielen Designermärkten. Mit Etsy konnten sie gleich einen globalen Markt erobern. Kund:innen gibt’s von Kanada bis Großbritannien.

„Ich weiß noch, wie der erste Kauf reinkam“, erzählt Melis „das war drei Monate, nach unserer Gründung. Bis dahin unterstützten uns Familie und Freunde. Und dann, im Jänner, flatterte der erste Online-Kauf rein. Wir waren überglücklich.“ Über den Online-Shop sammelten sie Selbstvertrauen und verdienten ihr erstes Geld. Und dann kam die Möglichkeit, einen Stand am bekannten Designermarkt Mondscheinbazar in Wien zu bekommen. „Lange Zeit kaufte niemand etwas, bis eine Lady kam. Sie fuhr über den Stoff, war begeistert und bezahlte das erste Tuch. Das war der Moment, als wir uns sagten, okay, passt, das funktioniert und das bauen wir auf“, erinnert sich Melis.

„Wir schauen auch immer, ob wir irgendwo jemanden mit unseren Tüchern entdecken, am Strand oder in der U-Bahn.“

Mit den Designermärkten hatten die beiden Jungunternehmerinnen die Möglichkeit, ganz Österreich zu entdecken. St. Pölten, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, überall durften die beiden neue Fans und neue kulturelle Eindrücke gewinnen. „Es ist lustig, wie verschieden die Dialekte sind. Sogar bei der Frage nach dem Preis, unterscheiden sich die Leute in jedem Bundesland“, sagt Melis. Die Reaktion auf die Tücher ist dafür überall gleich. Alle so: „Darf ich es angreifen?“ Und dann kommt immer: „Oooohhh, das ist so weich.“

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Es ist die Qualität, die moderne Umsetzung und das Herzblut der beiden Gründerinnen, die El Patito Towels von den gängigen Mitbringseln aus Marokko oder der Türkei unterscheidet. Der Name leitet sich übrigens aus dem Spanischen ab, el patito heißt auf Deutsch „kleine Ente“ und ist eine Anspielung auf das türkische Hamam-Bad und auf den spanischen Hintergrund von Burcus Ehemann. „Der Name ist eine Kombination aus unseren Leidenschaften“, erklärt Melis. Schließlich sind die Towels ja auch viel mehr als Hamam-Tücher.

„Wir mögen es nicht in eine Schublade gesteckt zu werden“, sagt Burcu. Das gilt nicht nur für ihr Unternehmen, sondern auch für die Gesellschaft. „Statt sich ständig auf Zertifizierungen und Labels zu fokussieren, sollten wir einfach bewusst und nachhaltig leben.“ Es sind nicht nur leere Worte, die beiden gestalten ihren Alltag tatsächlich so. Melis baut allerlei Gemüse und Pflanzen auf ihrem Balkon an und teilt mit ihren Nachbarn, was überbleibt. Bei Burcu spiegelt sich dieser Gedanke in jedem Stück ihrer Wohnung wider, das nicht einfach nur zufällig dasteht, sondern jedes für sich eine Bedeutung hat. Und sie schreiben auf ihrer Webseite: „We carefully craft and design our products like everything in our daily life.” Das beschreibt die beiden Frohnaturen am besten.

Und sie haben noch große Pläne. „Wir gründeten das Unternehmen, um runterzukommen von unseren klassischen Nine-to-five-Jobs. Trotzdem gehen wir kontinuierlich unseren Weg. Im ersten Jahr war es Etsy, im zweiten die Designermärkte, im dritten der Online-Shop“, sagt Burcu. Ende des Jahres geht es in den USA weiter. Da Melis Mann aus beruflichen Gründen für einige Zeit in die Staaten muss, wird sie ihn begleiten und ihr Unternehmen mitnehmen. Ein paar Stammkunden haben sie sich durch Etsy schon aufbauen können, daher rechnen die beiden Frauen mit einem super Start. „Zuerst hatte der Markt acht Millionen Menschen, dort sind es dreihundert Millionen, das hat Potenzial und motiviert“, sagt Burcu.

Wobei die beiden ihrer Wahlheimat treu bleiben wollen. „Wir bleiben auf jeden Fall eine österreichische Marke. Designed in Vienna, made in Turkey.“

Feature

el patito towels

el patito towels.com

Text: Lauren Seywald

Fotos: Patricia Weisskirchner

Juli 2021