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Die Essenz der Natur

Less is More beruht auf dem Wissen einer Chemikerin und der Erfahrung eines Frisörs. Sie wollten nachhaltige, rein pflanzliche Biokosmetik kreieren und haben Pionierarbeit geleistet. Die Gründer:innen Doris Brandhuber und Hannes Trummer sind Vorreiter in der natürlichen Haarpflege, ihr Unternehmen darf sich seit 2017 mit dem B-Corp-Zertifikat schmücken.

Sie ließ Yale einfach sausen. Was ist auch schon ein Postdoc-Stipendium an einer der berühmtesten Universitäten der Welt, wenn man diese Welt stattdessen ein bisschen verbessern kann? Was Doris Brandhuber zu dieser Entscheidung gebracht hat, befand sich in den Conditionern, die ihr damaliger Partner in seinem Frisörsalon verwendete. Chemiker:innen nennen das Zeug eine quartäre Ammonium-Verbindung. Doris fand ihre Entdeckung skandalös. Hannes Trummer hatte sich gerade frisch mit seinen Frisör-Salons selbständig gemacht und zeigte ihr das Sortiment seiner Haarpflegeprodukte. Eigentlich hatte Doris mit Kosmetik nichts am Hut, sie war auf die anorganische Chemie spezialisiert. Doch als sie den Inhaltsstoff in der Auflistung auf der Verpackung entdeckte, konnte sie es nicht fassen. In der Grundlagenforschung verwendeten sie den nicht, weil er biologisch so schlecht abbaubar ist. Mit den Conditionern gelangt er übers Haarewaschen in die Gewässer. Und zwar mit jedem Conditioner. Die quartäre Ammonium-Verbindung ist selbst in den super natürlichen Produkten enthalten.

„Da habe ich das erste Mal verstanden, was Greenwashing ist“, sagt Doris. Sie trat ihre akademische Laufbahn in den USA nicht an und entwickelte stattdessen zwanzig Produkte für die Frisör-Salons von Hannes. Das war der Start von Less is More. Zeitgleich mit dem Launch 2007 kam ihr gemeinsamer Sohn auf die Welt. Also nutzte sie die Karenz, um ihr Business weiter aufzubauen. „Für mich war Kind und Karriere kein Widerspruch, ich brauchte etwas, das mich herausforderte und beschäftigte, abgesehen vom Mamadasein“, erzählt die Unternehmerin. „Natürlich muss man flexibel sein, sich an das Kind anpassen, die Zeiten nutzen, in denen es schläft oder der Partner aufpasst.“ So schafften die beiden das Startup relativ schnell aufzubauen.

Und erhielten 2017 als eines der ersten österreichischen Unternehmen die B-Corp-Zertifizierung. Hinter diesem Gütezeichen steht eine Bewegung, die Unternehmen als treibende Kraft sehen, um die Welt zu verbessern. Es geht um Nachhaltigkeit, soziales, faires und transparentes Handeln gegenüber der Natur, den Mitarbeiter:innen und allen Stakeholdern der Firma. Auch die Lieferant:innen spielen eine wichtige Rolle bei B Corp. Bei Less is More kommen die reinen Pflanzenstoffe, wie Kräuterextrakte, Honig und ätherische Öle aus regionalen, biologischen Anbaugebieten. Zitrusöle aus Italien, Lavendel aus Bulgarien, Honig und die meisten Pflanzen aus Österreich und Deutschland.

Aus den natürlichen Zutaten zaubert Doris die Kreationen für Haut und Haar. „Bei der Produktentwicklung arbeite ich überwiegend mit Praktikantinnen aus dem FEMtech Programm zusammen“, erzählt die Chemikerin. Das ist ein Programm, dass die Studentinnen-Quote in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern der angewandten Forschung fördert. „Wir wollten den Schülerinnen die Angst vor der Chemie nehmen und ihnen zeigen, dass wir nicht die ärgsten Nerds sind, sondern leiwande Frauen.“ Diese Narrative sind in unseren Köpfen unglaublich festgefahren, deshalb braucht es die wertvolle Aufklärungsarbeit durch Unternehmen wie Less is More. Dadurch schaffen sie mitunter sogar eine hundertprozentige Frauenquote im Labor.

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Die klassische Geschlechter-Zuordnung gibt es bei Doris und Hannes sowieso nicht. „Er hat den typischen Frauenberuf, und ich bin in einem männerdominierten Fach zu Hause“, sagt sie und lacht. Mit dem Unternehmen werden deutlich neue Wege eingeschlagen, nicht nur in den Arbeitsabläufen, auch mit den Produkten und deren Zusammensetzung.

Die rein pflanzlichen Wirkstoffe kommen aus biologischer Landwirtschaft, das ist nicht selbstverständlich. Naturkosmetik heißt nämlich nicht automatisch Bio. Und das bringt einen wesentlichen Unterschied im ökologischen Fußabdruck mit sich. Doris hat außerdem große Kompetenz in der Aromatherapie. Die Öle fördern die Gesundheit, und der richtige Umgang mit ihnen ist essenziell, damit keine allergischen Reaktionen ausgelöst werden. Sind die Essenzen zu lange Licht und Sauerstoff ausgesetzt, oxidieren sie und führen zu Hautreizungen. „Wir verhindern das mit einem Oxidationsschutz und der richtigen technischen Handhabung“, sagt Doris. Es gibt so vieles, das man als Konsument:in nicht weiß.

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Ein bis drei Jahre braucht eine neue Kreation für Less is More, bis sie fertig ist, ihren Ursprung hat sie immer in den Wünschen der Kund:innen oder in neuen Erkenntnissen über Pflanzenwirkstoffe. Doris und ihr Team tüfteln lange an der Haptik, dem Duft, der Textur und dem Design der Verpackungen. Dabei geht es immer darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, daher auch der Name. „Ich richte mich nicht nach Trends oder dem Marketing. Mir geht es um die Funktionalität und die Qualität“, sagt sie. Das heißt auch, dass man nicht fünfzig verschiedene Tiegel und Fläschchen im Badezimmer-Kästchen braucht. Es gibt eine Basis-Pflege fürs Gesicht, bestehend aus vier Produkten: Reinigung, Toner, Creme und Öl. Die kann jeder zusammenstellen, wie er möchte, und sie funktionieren für jeden Hautzustand und jede Jahreszeit. Für spezielle Bedürfnisse kann man mit Masken oder Seren unterstützen.

Es geht also um die Reduktion auf das Wesentliche in jedem Sinn und um einen bewussten Umgang mit der Natur. Damit zwei weitere Chemie-Bomben aus der Haarpflege verschwinden, arbeitet das Forscherteam derzeit an einem biologischen Trockenshampoo und pflanzlichen Haarfarben. Die Ergebnisse kann man dann in einem der vier Frisörstudios in Wien ausprobieren. Die laufen übrigens unter dem Namen minusplus. Mittlerweile gibt es Less is More-Produkte aber in 28 verschiedenen Ländern rund um den Globus.

„Wir merken, dass wir mit manchen Dingen vor vierzehn Jahren noch zu früh dran waren. Aber das ändert sich immer mehr. Man muss weniger erklären, und das Verständnis für hochwertige Biokosmetik steigt“, erzählt Doris und freut sich über das Umdenken in unserer Gesellschaft. Ihr Plan für die kommenden Jahre ist es, selbst Stores aufzumachen, in denen sie alle ihre Kreationen unter einem Dach anbieten kann. Neben Haarpflege gehören dazu Gesichts- und Körperpflegeprodukte und sogar natürliche Kerzen. Dafür kann man ein Stipendium für Yale schon sausen lassen.

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Feature

Doris Brandhuber

lessismore.at

Text: Lauren Seywald

Fotos: Patricia Weisskirchner

Jänner 2022

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