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Geschenkpapier für den Gemüsegarten

Gegen ihr Geschenkpapier kann alles andere einpacken. Ihre Notizbücher zeigen immer wieder neue Seiten. Und ihre Grußkarten, aber hallo! Grafikdesignerin Elke Bocksrucker durchbricht mit ihren erfrischenden Papier-Goodies die kitschige Fadesse. Wir sprachen mit der Gründerin von Blanche über Selbständigkeit, Mama-Sein und Papier-Recycling im Gemüsegarten.

Wer steht hinter Blanche? Und was war deine Motivation, Blanche zu gründen?

Elke: Schuld an der Gründung von Blanche ist mein Sohn. Vor seiner Geburt war Ich lange Grafikdesignerin und Art-Direktorin in großen Werbeagenturen und hatte Kund:innen wie Palmers und Römer-Quelle. Dann war ich Mutter, und es stellte sich die Frage: zurück in eine Agentur oder Selbstständigkeit als Grafikdesignerin? Allein wegen des Zeitmanagements habe ich mich für die Selbstständigkeit entschieden. Das war 2004. Teilzeit wäre damals in der Werbebranche nicht möglich gewesen.

Wie war der Schritt in die Selbstständigkeit? Hattest du Unterstützung von Familie und Freunden?

Elke: Meine Eltern haben das sehr unterstützt. Mein Vater hat immer gesagt, selbstständig zu sein, das wäre schon toll. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Er war immer angestellt, vielleicht hat sich das bei ihm so festgesetzt. Mein Lebensgefährte wiederum ist selbständiger Fotograf, wodurch wir dann beide recht flexibel waren. Wir teilten uns die Betreuung unseres Sohns fair auf, wirklich halbe-halbe. Dadurch gab es keine klassische Familien-Aufteilung, er geht arbeiten und die Frau bleibt zu Hause. Mein Unternehmen aufzubauen, die Jobs von den Agenturen zu bekommen und dranzubleiben, das musste ich mir selber erarbeiten.

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War das hart?

Elke: Teils, teils. Manchmal fließt es dahin. Meistens habe ich Glück mit den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite, auf Agentur- wie auf Kund:innenseite. Aber manchmal passt man eben auch nicht zusammen. Das muss man akzeptieren. Man merkt halt, dass die Vorgesetzten immer noch Männer sind. Auch in meiner Branche. Da braucht man viel Ellenbogenkraft als Frau und muss immer schauen: Wer akzeptiert dich wirklich, und wo bist du nur die Grafikerin. Bei bestimmten Männer-Typen muss man besonders hart arbeiten, um so akzeptiert zu werden, wie es sein soll. Ich musste mir viel Selbstbewusstsein aufbauen, um zu wissen, was ich kann, was ich weiß und welche Erfahrungen ich habe. Heute weiß ich das zum Glück und kann mich gut durchsetzen.

Wie kamst du auf den Namen Blanche? Was bedeutet er für dich?

Elke: Ich liebe Frankreich und die französische Sprache. Und die Farbe Weiß hat für mich viele Bedeutungen. Es ist die Farbe des Lichts. Aber auch keine Farbe. Ich denke an ein leeres Blatt Papier, das vor einem liegt, wenn ich gestalte. Ob das jetzt wirklich vor einem liegt oder nur in Gedanken – die Idee ist zuerst einmal etwas nicht Greifbares. Eben Licht vielleicht. So geht’s mir beim Designen. Zuerst herrscht eine gewisse Leere, um dann etwas entwickeln und gestalten zu können.

Wie entstanden daraus deine Paper-Goodies?

Elke: Aus der Idee einfach wieder was für mich zu machen. Ich habe immer für jemand anderen gearbeitet, musste für Agenturen oder Kund:innen etwas designen und kreieren. Und dann kam der Lockdown, der hat mir geholfen einen Schritt zurück zu machen und zu überlegen: Okay, was will ich von mir aus gerne designen oder herstellen, was macht mir Spaß, was finde ich schön?

Und wieso Geschenkpapier, Notizbücher und Grußkarten?

Elke: Das kommt aus dem Gestalten heraus. Ich designe wahnsinnig gerne Muster und Pattern, die dann wieder für sich eine Form ergeben und geometrisch sind. Auch das Auseinandersetzen mit Typografie, also mit Schrift-Gestaltung fasziniert mich. Daraus Geschenkpapier, Notizbücher und Grußkarten zu machen, war kein großer Schritt mehr. Allerdings wollte ich nicht die klassischen Slogans verwenden. Statt To-do-Liste habe ich „Why not“ auf ein Notizbuch geschrieben. Die Aussage dahinter ist: Warum nutzt du nicht die Zeit und machst das, was du gerade möchtest?

„Die Aussage dahinter ist: Warum nutzt du nicht die Zeit und machst das, was du gerade möchtest?“

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Und wie entsteht ein Blanche-Produkt? Woher stammt das Papier, und wo wird gedruckt?

Elke: Das mache ich nicht selber. Ich designe alles, aber der Druck ist ausgelagert. In Melk habe ich eine Druckerei gefunden, die Cradle to Cradle zertifiziert ist. Das heißt, alles bleibt im ökologischen Kreislauf. Alle Rohstoffe, die Druckerfarbe und das Papier werden nachhaltig hergestellt, ohne schädliche Inhaltsstoffe. Man kann meine Karten oder das Papier also in den Gemüsegarten geben, wenn man es nicht mehr braucht. Einfach in die Erde einbuddeln, und es zersetzt sich rückstandsfrei. Die Druckerei druckt klimapositiv, nicht nur klimaneutral. Das heißt, sie kompensieren mehr CO2, als sie verbrauchen.

Mit Blanche setzt du also ein Zeichen für Nachhaltigkeit und Regionalität?

Elke: Ja. Ich glaube, dass wir in Zukunft nur im Kreislauf arbeiten werden. Nicht immer neue Sachen produzieren, die man, wenn sie abgenutzt sind, wegschmeißt, und sich wieder was Neues holt. Sondern, dass ressourcenschonend produziert und umgesetzt wird. Das spürt man auch. Beim Papier zum Beispiel, wenn man das angreift, hat es eine besonders angenehme Haptik. Das ist mir wichtig, dass man die Dinge gerne in die Hand nimmt. Gerade bei Papier.

„Man kann meine Karten oder das Papier in den Gemüsegarten geben, wenn man es nicht mehr braucht. Es zersetzt sich rückstandsfrei.“

Was muss in Österreich noch für eine nachhaltige Zukunft getan werden?

Elke: Mir fehlt das Mindset. Nachhaltigkeit soll nicht immer nur mit einem Zwang oder einem Verzicht verbunden werden. Es ist etwas Positives, das hübsch aussehen kann. Nicht so wie früher mit den Recycling-Produkten. Gerade im Papierbereich war ja immer ein Graustich drinnen. Das ist heute nicht mehr so. Es kann durchaus hübsch aussehen und Spaß machen.

Wie man bei dir sieht. Was möchtest du mit Blanche noch gerne erreichen? In welche Richtung soll es gehen?

Elke: Ich möchte meine Produkte weiterentwickeln und ausbauen. Aktuell arbeite ich an der Herbst-Winter-Kollektion. Aber wieder anders gedacht, ganz ohne Merry Christmas, Weihnachtskugeln und Weihnachtsbaum. Ich habe an einen Geschenke-Stoff gedacht. Also weg vom Papier. Die Sackerl, die man untern Baum legt und immer wieder verwenden kann, das wär was.

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Feature

Elke Bocksrucker

blanche.at

Text: Lauren Seywald

Fotos: Patricia Weisskirchner

Juli 2021