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Frauen brauchen schon lange keinen Mann mehr, um Schmuck zu haben.

Schmuck als neue Frauenbewegung. Die Gründerin von jas.jewelry kreiert Ringe und Halsketten. Fulltime. Sie setzt sich für Female Empowerment ein. Fulltime. Und sie ist Architektin. Fulltime. Commonground wollte wissen, wie das geht, und hat Jasenka in ihrer Wohnung getroffen, dem Ort ihres Schaffens.

Seit 2018 sieht man dich am Fesch’markt und anderen Wiener Märkten. Wie kamst du zum Schmuck-Design?

Jasenka: Ich bin von Beruf Architektin, die Liebe zur Ästhetik und schönem Design lebt also schon lange in mir. Interior, Mode und Schmuck waren immer meine Leidenschaft. Ich hatte sehr lange den Traum, Schmuck zu kreieren, habe mich aber nicht getraut. Das muss ich heute wirklich sagen, ich habe dem Zweifel zu viel Zeit gegeben. Irgendwann fing ich an, Fotos von meinen Kreationen zu machen, eigentlich mehr für mich als für andere. In Minischritten habe ich mich vorwärts gewagt. Den Leuten gefiel mein Schmuck, dann kamen die ersten Designermärkte und jetzt führ ich ein Interview. Oh mein Gott, das ist ja ein Wahnsinn.

Was ist deine Motivation hinter jas.jewelry?

Jasenka: Ich brenne dafür. Es ist mein Traum, das, was ich wirklich machen möchte. Ich habe so viele Ideen. Bevor ich das eine Schmuckstück fertigstelle, habe ich schon wieder neue Einfälle. Ich liebe es einfach. Wenn ich könnte, würde ich nur noch für jas. arbeiten.

Du sagst, du kommst aus der Architektur. Kannst du ein bisschen von deinem beruflichen Background erzählen?

Jasenka: Ich kam mit neun Jahren nach Österreich, meine Eltern sind Kriegsflüchtlinge aus Bosnien. Ich bin hier in die Volksschule und ins Gymnasium gegangen und habe Architektur an der TU Wien studiert. Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich als Architektin. Meine ersten sechs Jahre war ich in einem bekannten Architekturbüro und habe an großen Projekten gearbeitet. Das hört sich immer toll an, aber die Zeit war nicht lustig. Gerade als Frau. In dieser Branche werden die Leute verheizt. Ich musste an Wochenenden arbeiten, kam erst um zehn am Abend nach Hause. An Familie war in dieser Zeit nicht zu denken. Deshalb habe ich in ein großes Unternehmen gewechselt. Es gibt normale Arbeitszeiten, einen Betriebsrat und alles läuft geregelter ab. Daneben kann ich mein Familienleben führen und meinen Schmuck machen. Das ist wirklich schön.

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Ergänzt sich die Architektur mit dem Schmuck-Design?

Jasenka: Total. Ich mach ja nicht nur den Schmuck, sondern auch die gesamte Präsentation dazu. Das hat auch mit Interior-Design zu tun, gerade am Fesch’markt. Es kommt immer darauf an, wie du deinen Schmuck präsentierst, legst du ihn auf ein Tischtuch oder kombinierst ihn mit anderen Details. Ich will an meinen Stand kommen und mir denken, wow. Das sehe ich auch an den Reaktionen der Kund:innen, die an meinem Tisch stehen und sagen: “Oh mein Gott, das ist so hübsch, ich will alles haben.”

Wie hebst du dich vom Markt ab, was zeichnet jas.jewelry aus?

Jasenka: Prinzipiell geht es mir darum, qualitativ hochwertigen Schmuck zu produzieren, der trotzdem leistbar ist. Was mich abhebt, ist mein Gespür für Design und Präsentation. Branding, Logo, Instagram, das kommt alles von mir. Ich habe eine gute Intuition bei Trends, Mode und Stil. Das liegt mir einfach, und darauf muss ich komplett vertrauen. Auch wenn momentan vielleicht der ungünstigste Zeitpunkt ist, um Schmuck zu machen, weil es allein in Österreich einige große Schmuck-Marken gibt. Aber ich sehe immer wieder, wie Ideen, die ich vor zwei Jahren hatte, plötzlich von den Großen eingeführt werden. Deswegen denke ich mir, meine Zeit wird kommen. Jeder ist einzigartig, solange er seine Vision und seinen Traum verfolgt. Was aus dem Herzen kommt, wird sich automatisch abheben. Und irgendwann bin ich die Erste, die etwas launcht.

„Ich habe eine gute Intuition bei Trends, Mode und Stil. Das liegt mir einfach, und darauf muss ich komplett vertrauen.“

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Du brennst nicht nur für Schmuck-Design, sondern auch für Female Empowerment. Wie setzt du dich für die Bewegung ein.

Jasenka: Ja, das ist voll mein Thema. Ich habe selber eine Tochter und sehe, wie die Welt ist. Wir müssen jetzt etwas für unsere jungen Mädels tun. Mit jas. möchte ich eine Community von Powerfrauen aufbauen. Schmuckkaufen soll Frauensache sein. Wir sollen nicht darauf warten, bis uns ein Mann Schmuck kauft, oder nur zum Geburtstag oder Muttertag eine schöne Halskette bekommen. Ich möchte, dass Frauen sich selbst als Anlass nehmen, sich Schmuck zu kaufen, wann immer sie wollen. Luxus für jeden Tag.

Du möchtest also wirklich ein Umdenken bewirken?

Jasenka: Auf jeden Fall. Und ich möchte auch die Frauen zeigen, die meinen Schmuck tragen. Ich will keine Models für jas. engagieren, sondern echte Kund:innen, die gleichzeitig Vorbilder sind, erfolgreiche Business-Frauen. Sie sollen unsere Schmuckstücke zu ihrem individuellen Style kombinieren und über wichtige Frauenthemen wie zum Beispiel die Einkommensschere sprechen. Und ich möchte zeigen, dass auch Männer meinen Schmuck tragen. Immer wieder kaufen sie etwas für sich bei mir am Markt.

„Ich möchte auch die Frauen zeigen, die meinen Schmuck tragen. Ich will keine Models für jas. engagieren, sondern echte Kund:innen, die gleichzeitig Vorbilder sind, erfolgreiche Business-Frauen.“

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Du bist Mutter, Unternehmerin und berufstätig. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen?

Jasenka: Natürlich ist das eine Herausforderung, aber zum Glück steht mein Mann hinter mir. Er unterstützt mich, wo er kann. Er baut für mich alles für die Marktstände, hilft beim Aufbauen und wenn es stressig ist, sogar beim Schmuckmachen. Er hat auch eine Galvanik-Ausbildung in Deutschland absolviert, damit können wir selbst vergolden. Derzeit verwende ich 925 Sterling Silber mit einer 2,5 Micron starken 18K Vergoldung, auch Vermeil genannt. Es ist uns wichtig diese Qualität garantieren zu können. Und mein Schmuck soll langlebig sein. Deshalb planen wir auch, dass unsere Kund:innen ihr Schmuckstück nach mehreren Jahren wieder neu bei uns vergolden lassen können, wenn der Glanz ein bisschen abgestumpft ist. Damit die Leute immer eine Freude daran haben.

Wo bekommst du die Rohmaterialen her?

Jasenka: Die kaufen wir in Istanbul. Mein Mann kommt von dort, und wir fahren zweimal im Jahr hin, deshalb hat sich das angeboten. Es gibt in Istanbul eine Gegend mit unzähligen Werkstätten, die dort jeden Tag Tonnen an Schmuck verarbeiten. Siebzig bis achtzig Prozent Silber oder Gold sind aus Altschmuck recycelt, der eingeschmolzen und neu verarbeitet wird. Ich habe einige Händler gefunden, die zu uns passen und mit denen ich in Zukunft zusammenarbeiten möchte.

Ist für dich Nachhaltigkeit ein Thema?

Jasenka: Die spielt für mich eine riesen Rolle und sollte heutzutage für ein Unternehmen selbstverständlich sein. Mein Ziel ist es, mit recyceltem Silber zu arbeiten, von dem ich genau weiß und das auch schriftlich habe, woher es kommt. Gleiches gilt auch für die Perlen, die ich in der Türkei kaufe. Derzeit ist es schwierig, alles transparent zu haben, weil ich noch nicht so hohe Stückzahlen produzieren lassen kann. Mein Traum ist es, nur noch mit ein oder zwei ausgewählten Werkstätten zu arbeiten, die ausschließlich meine Kollektionen produzieren..

Was sind sonst deine Visionen für jas. jewelry ?

Jasenka: Mein größter Traum ist, meinen eigenen Shop zu haben, in den man wirklich reingehen, und den ich selber gestalten kann. Dort fließt dann alles zusammen, meine Liebe für Schmuck und Interior-Design.

Feature

Jasenka Dogan

jas.jewelry

Text: Lauren Seywald

Fotos: Patricia Weisskirchner

Juli 2021