Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X Leni Charles & Cherrie O. x  KOTD  X

Coole Socke

Leni Charles und Cherrie O. sind Co-Founderinnen von Kids of the Diaspora. KOTD ist mehr als nur ein Wiener Modelabel, es ist eine Awareness-Brand und ein poetisches fashion movement. Die beiden Schwestern haben damit eine ganze Community auf die Füße gestellt. Die Community der österreichischen Diaspora. Mit ihren Crewsocken ist KOTD in unserer Box vertreten. Wir haben mit Leni Charles über Mutterschaft, Feminismus, Empowerment und Unternehmertum geplaudert. 

Was ist dein persönlicher Werdegang?

Leni Charles: Ich habe ein Diplom als Grafikdesignerin von der Werbeakademie und einen Bachelor in Grafikdesign von der Staffordshire University. Nach einem Praktikum bei Jung von Matt bin ich dortgeblieben und wurde Senior Art Director. Parallel dazu machte ich den Master für Medien, Kommunikation und Information an der FH Eisenstadt. Mir als Abwechslung zum Agenturstress am Wochenende die Windräder anzusehen, hat mich begeistert. 2015 war ich fertig mit dem Master und habe mich selbstständig gemacht, gemeinsam mit meinem Businesspartner, dem Studio Unlabeled. Gemeinsam mit meiner Schwester Cherrie O. ist aber dann auch schon KOTD entstanden, und ich habe beschlossen, darauf meinen Fokus zu legen. 

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Wie kam es zur Idee und Entstehung von Kids of the Diaspora?

Leni Charles: 2016 habe ich ein T-Shirt designt. Dann sollten wir vor vier Jahren bei einem T-Shirt-Wettbewerb mitmachen. Es ging darum, ein Signature T-Shirt zu designen, das die Person, die es trägt, zeigen sollte. Ich wollte mehr aus der Sache machen und möglichst viele Menschen, die so fühlen wie ich, miteinander verbinden. Als ob man etwas liest und denkt: Genauso spüre ich das auch. Der T-Shirt-Wettbewerb ging vorüber, das T-Shirt blieb. Ich habe es auf Instagram und Facebook gepostet und daruntergeschrieben, wie ich mich fühlte, in Wien aufzuwachsen und wie immer eine gewisse Zugehörigkeit gefehlt hat. Vielen Menschen schrieben mir, dass es ihnen genauso ginge, und wie toll es war, dass jemand es ausspricht. Aufgrund der Nachfrage haben wir das T-Shirt dann produziert. Das ist die Essenz von Kids of the Diaspora, ein Raum, in dem wir uns austauschen und kommunizieren, wie wir es wollen und wie wir es uns als Kinder gewünscht hätten. Wir wollen mit der Marke Repräsentation schaffen, die uns gefehlt hat.

Was ist dir/euch besonders wichtig bei KOTD? Was war die Inspiration und Motivation?

Leni Charles: Mittlerweile ist KOTD mehr als ein Modelabel, wir sind inzwischen eine Lifestyle-Brand mit dem Ziel, das innere Kind zu heilen. Das Wichtigste ist die Verbundenheit. Wir wollen nicht, dass man sich von irgendwelchen falschen Identitäten, die einem auferlegt werden, einschränken lässt. KOTD soll inspirieren und zeigen, dass alles möglich ist. Dass man die Reise in sich selbst annimmt. Dass man gewisse Bereiche im Leben reflektiert, versteht, neu erlernt. Mich persönlich haben immer Menschen inspiriert, die nicht in meiner Bubble waren, wie der Fotograf Joshua Kissi. Von ihm wusste man vor ein paar Jahren noch recht wenig, er ist aus der afrikanischen Diaspora, hat mit Größen wie Serena Williams, Beyoncé gearbeitet und beeindruckende Kampagnen fotografiert. Meine Inspirationsquellen waren schon immer diversifiziert, meine Umgebung weniger. Es gab den Drang, mich mit anderen Kids of the Diaspora zu vernetzen. KOTD ist ein Term, mit dem ich mich sehr gut verbinden kann. Mich persönlich inspirieren everyday-people am meisten. Wir haben jetzt eine Kollaboration mit einer Skate Community in Abuja, wo sich jemand dafür einsetzt, dass in Abuja der erste Skate-Park gelauncht wird. Dafür braucht man der Support der Diaspora, und das finde ich extrem inspirierend. Wir machen dazu eine limitierte Auflage an Skateboards, mit deren Verkauf wir den Skate-Park unterstützen. Das ist eine Subkultur, die gerade besonders stark wird, vor allem auch in West-Afrika. Skaten und Surfen kommt jetzt immer mehr auf, und damit ganz starke Energien, die mich inspirieren. Und natürlich die Kids of the Diaspora. Die Storys dieser Kids, die Input hereinbringen, und die Symbiose, die wir führen, das ist Inspiration und Motivation.

Als Mama und Unternehmerin, wie bekommst du alles unter einen Hut?

Leni Charles: Es ist viel, aber ich habe ein gutes Support-System. Meine Tochter Rubie geht in den Kindergarten und ich habe eine sehr gute Beziehung zu meinen Schwestern, die immer einspringen, wenn ich sie brauche, genauso wie meine Mama. Wir sind eine Familie, die sehr füreinander da ist, dafür bin ich sehr dankbar. Schlaf bekomme ich zurzeit trotzdem wenig, weil ich zusätzlich als Art Direction für verschiedene Unternehmen freelance. Das sind immer Phasen, in denen ich eine Zeit lang nur durchziehe, dann aber auch wieder runterfahren kann. Es ist balanced. Rubie ist oft bei Meetings dabei. Sie ist ein geselliges Kind, und ich nehme sie einfach mit. Auch bei unserer Ausstellung im Weltmuseum waren die Kids beim Aufbau dabei. Rubie ist dabei immer die Chefin. 

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Wie gehst du damit, um so einen anstrengenden Tag zu haben. Und was tust du, um dich zu entspannen?

Leni Charles: Ich könnte mehr Schlaf vertragen, aber ich will den Tag dann doch immer voll ausnutzen. Also versuche ich, mir an besonders langen Tagen etwas zu gönnen. Serien schauen, Essen bestellen, um nicht kochen zu müssen. Balance. Wirklich anstrengend war, dass ich in einer besonders herausfordernden Zeit im Job auch noch Corona bekam. Da habe ich gemerkt, ich muss mich fallen lassen, um wieder zu Kräften kommen und mich auskurieren. Schwierig, weil die Kleine nicht in den Kindergarten durfte, ich sie aber auch nicht anstecken wollte. Da habe ich begriffen, dass Gesundheit wirklich das Allerwichtigste ist. Der Leistungsdruck, der auf uns Frauen lastet, ist immens. Man möchte einfach sein Ding durchziehen, aber auch Mutter sein. Da verlangt uns die Gesellschaft viel ab. Deswegen muss man auf sich selbst schauen, weil sonst tut es keiner. 

Was ist dein persönliches Lieblingsstück von KOTD? 

Leni Charles: Ich habe zwei. Einmal die Travelbag, ein Stück aus der Bloodline Collection, der ersten Kollektion, die wir gemacht haben. Das ist eine komplett recycelte Tasche aus Altlageresten von PVC-Folie und Materialien aus einer Tasche die in verschiedenen Kulturen stark in Verbindung zu Migration steht. Die Henkel sind zum Beispiel davon. „Das ganze Leben“ passt in diese Taschen.

Und dann die Crew-Socks. Das ist, glaub ich, auch das beliebteste Piece der Kund:innen, und ich freu mich immer extrem, wenn ich jemanden mit den Socken auf der Straße sehe. Das hat für mich so etwas Verbindendes. Die Socken sind unisex, egal, welche Schuhgröße man hat, man passt einfach rein. Egal, was man anhat, man kann diese Socken dazu rocken. 

Was ist dein Verständnis von intersektionalem Feminismus?

Leni Charles: Intersektionaler Feminismus ist etwas, das in den Medien angepriesen wird, aber im echten Leben kaum angekommen ist. Feminismus muss intersektional sein, sonst kommen wir nicht weiter. Wir müssen da selbst mit anpacken und können uns nicht von den Medien leiten lassen. Für mich bedeutet es, besonders Frauen zu unterstützen, die in der Mehrheitsgesellschaft aufgrund von Diskriminierung nicht den Raum erhält, den sie eigentlich verdient.  Wir müssen uns gegenseitig die Hände reichen und nicht erwarten, dass eine von uns es alleine schafft. Wir müssen uns gegenseitig supporten. 

Wie kommt ihr auf solche Projekte?

Leni Charles: Wir vereinen unsere Kreativität mit dem was uns am Herzen liegt und auf unserem Weg treffen wir stets auf neue Menschen und Geschichten die uns inspirieren neues gemeinsam zu kreieren. 

KOTD versteht sich als Safe Haven für alle, die auf der Suche nach Identität sind, und gibt ihnen eine Community. Wie genau entsteht diese Community, und wer darf sich zu ihr zählen? 

Leni Charles: Jede:r, der sich mit KOTD identifiziert oder der unsere Werte gut findet, kann unsere Stücke tragen und sich zugehörig fühlen. Wir schließen niemanden aus. Wir sprechen marginalisierte Menschen an, die aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Sexualität diskriminiert werden. Aber auch Friends von KOTD. Leute, die vielleicht nicht zu einer Diaspora gehören, aber KOTD trotzdem unterstützen möchten. Wir diskriminieren niemanden, deshalb würden wir auch niemals sagen, dass jemand unsere Stücke nicht tragen darf. Es geht um den Spirit. Wer sich davon angesprochen fühlt, gehört einfach dazu. Es ist mehr ein Feeling, eine Vibe. Ein Motto von uns lautet: We are one. Auch wenn es vielleicht anfangs so scheint, als würde uns viel trennen, gehören wir doch alle zusammen. Nur weil wir verschieden sind, heißt es nicht, dass wir nicht alle eins sind.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?

Leni Charles: Wir produzieren in Wien. Wir arbeiten mit einem Atelier zusammen, die für uns schneidern. Und alle unsere Stoffe sind second life, damit sind unsere Kollektionen limitiert. Wenn ein Stoff aus ist, gibt es auch das Stück nicht mehr. Wir wollen nicht überproduzieren. Das ist auch eine Einstellungssache: dass alles einmal enden kann. Wir verwenden auch upgecycelte Stoffe, aus alten Kollektionen zum Beispiel. Wir schauen einfach, dass alles verwendet wird. 

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Deine Schwester und dich kennt man ja inzwischen, Kids of the Diaspora auch. Welche Tipps würdest du der jungen KOTD-Generation geben? 

Leni Charles: Be strong, be you, be strong, be true. Das ist von unserem ersten KOTD Poem geschrieben von Vincent Jakabb und auf jeden Fall eine empowernde Message. Als Kid of the Diaspora passiert es in jungen Jahren leider zu oft, dass irgendetwas „falsch“ mit einem wäre. Aber alle Realitäten sind verschieden und der Austausch beweist nun einmal, dass man da nicht alleine durchgehen muss und vor allem, dass wir das nicht mehr zulassen können marginalisiert Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft auszuschließen. Man wird vielleicht ausgegrenzt und denkt, man macht was nicht richtig, wenn man nicht für voll genommen wird. Du bist kein Fehler, so wie du bist, bist du richtig. 

Was würdest du für Tipps arbeitenden Frauen geben?

Leni Charles: Schaut auf euch. Unbedingt. Arbeitende, unabhängige Frauen, die sich gegen das Patriarchat auch noch auflehnen sind einfach die ärgsten. Seid stolz auf euch! Was ihr bewirkt, ist niemals zu wenig. Vor allem arbeitende weiblich gelesene Menschen mit Kindern haben jeglichen Grund dazu. More Jobs in one Person. Was sie leisten, ist bewundernswert. Frauen denken oft, sie müssen viel mehr geben, um gleichauf mit Männern wahrgenommen zu werden. Dabei sollten wir unbedingt aufhören, uns mit Männern zu vergleichen. Frauen sollen generell stolz auf sich und einander sein, ob arbeitend oder nicht. 

Feature

Leni Charles & Cherie O.

kidsofthediaspora.com

Text: Iris Poltsch

Fotos: Patricia Weisskirchner

März 2022

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