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Let me be Christl Clear

Lustig. Laut. Und stets im Kampf um Gerechtigkeit. Christl Clear gehört zu den österreichischen Influencer:innen der ersten Stunde. Sie tritt unter anderem für Woman of Color, intersektionalen Feminismus und gegen Rassismus auf. Jetzt hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht. Ehrlich. Radikal. Und einfach Christl. Commonground hat sie zum Interview gebeten.

Für alle, die dich nicht kennen, wer ist Christl Clear und warum folgen dir so viele Leute auf Instagram?

Christl Clear: Ich bin eine in Wien geborene Influencerin, Autorin und Kolumnistin, die Essen, Bücher, Mode, Fernsehen und Musik liebt, aber auf ihrem Instagram Account auch über die wichtigen Dinge des Lebens spricht und sozial kritische Themen gern so thematisiert, dass sie leichter verdaulich sind. Und ich nehme mich auch gern mal nicht ganz so ernst. Ich schätze das ist der Grund wieso mir so viele Menschen auf Instagram folgen.

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Was hat dich dazu bewogen, ein Buch zu schreiben?

Christl Clear: Ich würde den Menschen gerne eine extrem romantische Geschichte erzählen von einer Muse, die mich im Urlaub geküsst hat. Aber Fakt ist, Stefanie Jaksch vom Verlag Kremayr & Scheriau hat mich angeschrieben während mein Mann und ich gerade auf Urlaub in Griechenland waren. Die Email musste ich heimlich am WC lesen, weil wir den Deal haben, dass im Urlaub nicht gearbeitet wird. Die Möglichkeit ein Buch zu schreiben, war es alle Mal wert diesen Deal zu brechen. Ein paar Wochen nach dem Urlaub haben Stefanie und ich uns in Wien getroffen, uns gut verstanden, mögliche Themen besprochen und der Rest ist Geschichte.

Welche Themen möchtest du grundsätzlich ansprechen?

Christl Clear: Im Grund möchte ich über Rihanna’s Babynews, den neuesten Food-Trend, das Comeback der Plateau-Schuhe und Dinge, die in unserer Welt schief laufen sprechen. Das eine schließt das andere für mich nicht aus. Und ich persönlich brauche die Balance, vor allem, weil wir dank Social Media das Gefühl haben, dass fast nur Schlechtes passiert. Und ja, es passieren viele beschissene Dinge auf unserem Planeten, die Welt trieft ja förmlich nur vor Sexismus, vor Queer-Feindlichkeit, vor Rassismus und all den anderen Ismen. Ganz zu schweigen von den Kriegen und dem Klimawandel, aber es passieren auch sehr viele gute Dinge.

Als Schwarze Frau, die in Österreich, also in einer weißen Mehrheitsgesellschaft aufgewachsen ist, habe ich einen anderen Blick auf das Leben als die meisten weißen Menschen. Was für viele Weiße ein Blind Spot ist, nehme ich ganz anders wahr. Und ich bin aber heterosexuell und CIS-Gender. Das bedeutet also, dass ich auch noch viele Blindspots habe und dazu lerne. Viele meiner Kolleg*innen ist Sozialkritik kein Thema, weil sie schlicht und einfach nicht betroffen sind oder es zumindest glauben. Ihnen fehlt oftmals das Gefühl dafür, aber auch da passiert immer mehr. So ja, dafür und deswegen nutze ich meine Plattform, um „coole und witzige“ Themen anzusprechen, aber auch, um Wichtiges zu beleuchten.

Du warst vor deiner Karriere als Influencerin lange Redakteurin für verschiedene Magazinen. Wann war der Moment, an dem du wusstest: Jetzt reicht’s, ich mach mein eigenes Ding?

Christl Clear: Es waren mehrere Faktoren, die dazu geführt haben, dass ich mich selbstständig gemacht habe. Einer davon war, dass die Lizenz des Magazins für das ich zu dem Zeitpunkt geschrieben habe, an einen Verlag verkauft wurde, für das ich beim besten Willen nicht arbeiten wollte. Und zu dem Zeitpunkt hatte ich auch keine Lust mehr für alteingesessene, weiße Männer zu arbeiten, die die Bodenhaftung verloren haben. Und weil ich ja sowieso immer schon neben der Arbeit gebloggt habe damals, dachte ich mir: Jetzt oder nie! Und der Plan ist eigentlich ganz gut aufgegangen.

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Wie war der Step in die Selbstständigkeit für dich?

Christl Clear: Ich habe am Gymnasium maturiert, das bedeutet, dass ich keine Ahnung von Buchhaltung und all dem hatte, aber ich dachte es wird schon irgendwie gehen und das tat es auch. Ich hab generell eine sehr Wienerische Art durch’s Leben zu gehen und denk mir die meiste Zeit „Das wird schon irgendwie passen!“. Ausserdem hat mein Mann mir damals sehr viel Rückhalt gegeben und gemeint, dass er für ein paar Monate die Miete übernehmen kann, wenn’s nicht gut läuft. So weit kam es aber glücklicherweise nicht.

Würdest du sagen, Christl und Christiana sind zwei unterschiedliche Personen?

Christl Clear: Nein, Christl ist ein Teil von Christiana. Christiana ein Teil von Christl.

Du hast in deiner Story auf Instagram erwähnt, wenn du für einen Tag eine Person sein könntest, wärst du gerne ein einflussreicher, weißer Mann, der so viel Macht hat, dass er an einem Tag ein paar weltbewegende Entscheidungen treffen kann.

Christl Clear: Oh ja, life would be so good.

Welche drei Entscheidungen würdest du treffen?

Christl Clear: Ich würde eine Quote für nicht männlich gelesene, weiße, heterosexuelle CIS Menschen in Jobs einführen. Ich würde absolute Gleichberechtigung ausrufen, also den Gender Pay Gap schließen und all diese Menschen, die Krieg auf unserer Welt verursachen weg sperren … inklusive ihrer Anhänger*innen.

Und ich hätte Sex. Das ist keine weltbewegende Entscheidung, aber definitiv etwas, das ich ausprobieren würde.

Das wäre ein Goodie nebenbei.

Christl Clear: Genau. Das wäre das Erste, was ich in der Früh machen würde, nachdem ich im Stehen gepinkelt habe.

Und dann würde ich diese ganze Geschichte mit Karenz und alleinerziehende Eltern umbauen. Ich glaube, dass erziehende Elternteile chronisch unterbezahlt sind und irgendwie bekommt das viel zu wenig Aufmerksamkeit. Und das obwohl Altersarmut ein gravierendes Thema ist. Wenn Frauen länger als eineinhalb, zwei Jahre in Karenz gehen, bekommen sie kein Geld mehr, weil der Staat sagt, dass man die Kinder ja in den Kindergarten stecken könnte. Das möchte aber nicht jede Mutter oder jeder Papa und das muss auch in Ordnung sein. Ihnen steht trotzdem eine Bezahlung zu, schließlich erzieht sich das Kind nicht von allein und der Haushalt schupft sich auch nicht von allein. Und wenn der Partner oder die Partnerin stirbt oder dich verlässt und nicht zufällig eine Lebensversicherung oder einfach Geld auf der hohen Kante hat, kann es schon passieren, dass man vor dem nichts steht. Mit Kind oder eben Kindern. Speziell in der Pension, weil man ja nichts in die Pensionskassa eingezahlt hat. Deswegen sind so Möglichkeiten wie Pensionssplitting und Co. wichtig und in weiterer Folge eine Lösung vom Staat, die dafür sorgt, dass alle fair bezahlt werden. Das erziehende Elternteil und das, dass das Geld nach Hause bringt.

Bleiben wir gleich bei dem Thema Female Empowerment. Wie läuft die Bewegung in deinen Augen?

Christl Clear: Ja, es läuft. Es könnte aber besser laufen in dem man intersektionaler arbeitet. Spricht alle (!) Frauen und weiblich gelesenen Menschen mit einbezieht. Menschen halt sich für Feministinnen, kritisieren aber Hijabis, weil sie einen Hidschāb tragen. Man fatshamed Frauen, schließt schwarze, alte und behinderte weiblich gelesene Menschen nicht in den Feminismus mit ein und ignorieren oft queere Frauen, wenn wir von Feminismus sprechen. Deswegen sag ich immer, dass mich Feminismus nur interessiert, wenn es sich um intersektionalen handelt. Alles andere ist nicht richtig. Es läuft also, wenn du mich fragst, es könnte aber besser laufen.

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Du trittst für all diese Themen ein. Zeigst, was sich verändern muss. Siehst du dich dann selber als Idol?

Christl Clear: Nein. Aber ich meine, wenn es jemanden hilft, mich als Idol zu sehen, be my guest. Ich sehe mich in der österreichischen Influencer:innen-Landschaft als jemand, der Sachen anders aufschlüsselt als viele meiner Kolleg*innen. Gleichzeitig liebe ich es von anderen Influencer*innen und Content Creator*innen zu lernen, wenn es um Themen geht in denen ich nicht so versiert bin, wie etwa Veganismus oder Queer Identity. Deswegen liebe ich das Internet und Social Media so.

Feature

Christl Clear

iamchristlclear

Text: Christl Clear

Fotos: Patricia Weisskirchner

März 2022 2021

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