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„Hallo, ich hätte gerne einen Rost.“

Cheers. Mit Rost hat Liza Brandstätter ein neues Lifestyle-Produkt auf den Markt gebracht: Rosé-Wein mit Apfel und Spritz. Daher auch der Name. Das E hat sie einfach gegen ein T getauscht. Also Rost statt Rosé. Die Idee kam Liza im Traum. Man soll den Namen auch um fünf in der Früh an der Bar rausbekommen. Commonground hat die Grazerin auf ein Flascherl getroffen.

Was war deine Motivation einen Rose auf den Markt zu bringen?

Liza: Ich brauchte ein Produkt, das mich und meine Affinität für gutes Essen und Getränke widerspiegelt. Es musste nicht dringend Alkohol sein, aber es sollte total clean und simpel rüberkommen. Irgendwie kam dann doch ein Rose-Wein raus. Ich bin der Meinung, dass es viele gute Getränke am Markt gibt, aber das allein genügt noch nicht, es gehört viel mehr dazu. Ich bin ein emotionaler Mensch und wollte dieses schöne Flascherl mit einem gewissen Gefühl kombinieren. Im nächsten Schritt entstand daraus der Rost-Moment.

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Was verstehst du unter dem Rost-Moment?

Liza: Das sind die kleinen Feiermomente im Alltag. Ganz simple Dinge. Ich stoße mit meinen Freunden auf den Feierabend an, oder sitze beim coolen Sonnenuntergang, genieße die Aussicht und nippe dabei am passenden Getränk.

„Ein Rost-Moment, das sind die kleinen Feiermomente im Alltag. Ganz simple Dinge. Ich stoße mit meinen Freunden auf den Feierabend an, oder sitze beim Sonnenuntergang.“

Du kommst aus der Eventbranche. Hast du aus deinen Erfahrungen etwas für Rost mitnehmen können?

Liza: Ja, total. Ich habe das Fifteen Seconds Festival vier Jahre lang mit aufgebaut, früher noch Marketing Rockstars genannt. Dabei konnte ich ein cooles Netzwerk knüpfen und viel Erfahrung sammeln. Kurz habe ich auch Agentur-Luft schnuppern dürfen, davon drei Monate sogar in New York. Als ich zurück war, wollte ich etwas Eigenes aufziehen. Mein ganzes Wissen fließt in Rost ein. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass man die Leute immer bespaßen muss, aber mit Sinn. Das heißt, man sollte mit den Trends und den Bedürfnissen der Kunden gehen, nicht starr an einem Produkt festhalten, sondern immer wieder etwas Neues auf den Markt bringen. So entstanden auch die zwei neuen Editions von Rost mit Ingwer und Wermut.

Orientierst du dich am Markt, oder wie entsteht so ein neuer Rost?

Liza: Bei den neuen Editions habe ich mich eben am Trend orientiert, damit ich auch möglichst viele Zielgruppen abdecken kann. Aber eigentlich passiert alles spontan, ich denke mir einfach, okay, das könnte ganz cool passen. Am Getränkemarkt muss man schnell agieren. Klar, wenn man die Kapazitäten für große Meinungsumfragen mit dreitausend Leuten hat, okay. Aber was bringt es mir? Hätte ich meinen Rost getestet, wäre wahrscheinlich als Resümee gekommen: ein bisschen zu süß oder zu sprudelig. Wenn es mir und zwei, drei Leuten in meinem Umfeld – überspritzt formuliert – genauso taugt wie mir, dann glaube ich, hat es eine Chance.

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Wo kommt dein Wein her?

Liza: Von den Erzherzog-Johann-Weinen, der einzigen  Winzer:innen-Vereinigungen in der Steiermark. Somit  ist Rost zu hundert Prozent ein steirisches Produkt. Wird auch dort abgefüllt.

Mit deinem Rosé warst du sogar in der Fernsehshow 2 Minuten 2 Millionen. Wie hast du es in die Show geschafft?

Liza: Ich hatte mich schon vor eineinhalb Jahren beworben, aber da bekam ich eine Absage. Aber ich habe es noch einmal probiert und 2021 hat es schlussendlich geklappt. 

Wie war dieser Moment für dich, als du vor der Jury gestanden bist?

Liza: Es war so arg. Ich war noch nie so aufgeregt, obwohl man mir nachsagt, dass ich Nervosität gar nicht kenne. Am schlimmsten waren diese fünf Sekunden davor. Da steht die Sendungsleitung vor dir und sagt: “Jury ready. Kandidatin ready.” Und ich sag noch: “Nein, ich bin überhaupt nicht ready, was heißt das überhaupt.” Dann hör ich: “Das heißt, viel Spaß.” In dem Moment habe ich wirklich gedacht, ich falle jetzt einfach um. Aber als dieses riesige Tor aufging, war die Aufregung sofort weg. 

Du hast den Pitch wahrscheinlich geprobt?

Liza: Ja, ich war sogar bei einer Pitch-Trainerin. Primär, weil ich in zwei Minuten so vieles auf einmal rüberbringen musste, und Struktur brauchte. Ich wollte wissen, wie ich das am besten kombiniere. Sonst habe ich nicht viel geübt. Ich wollte nicht aufgesetzt wirken. Ich denke mir immer, über mein Produkt kann ich ja reden. Natürlich auch in zwei Minuten.

Du hast ein Investment von 50.000 Euro bekommen. Was ist seither passiert?

Liza: Ich habe mittlerweile unterschreiben, aber die Zusammenarbeit steckt noch in den Kinderschuhen. Das war ein ziemlicher Prozess, die überprüfen ja alles, im Fachjargon nennt sich das Due Diligence. Simpel gesagt, wollen sie die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens, also Umsätze bis Jahresabschlüsse, checken. Die kennen dich und dein Unternehmen ja vorher nicht, denen könnte man alles erzählen. Daher schon verständlich, aber war auch extrem heavy.

„Eine strukturierte Herangehensweise, aber kein Auswendiglernen. Und vor allem muss die Leidenschaft im Pitch rüberkommen.“

Du hast durch die Agenturen und jetzt mit Rost einige Erfahrungen im Pitchen sammeln können. Hast du drei Tipps für unsere Leser:innen, wie man einen erfolgreichen Pitch über die Bühne bringt?

Liza: Eine strukturierte Herangehensweise, aber kein Auswendiglernen. Das sind gleich zwei Tipps. Und vor allem muss die Leidenschaft im Pitch rüberkommen. Die Leute müssen checken, dass du dafür brennst. Und drittens, es muss alles total verständlich sein. Ich kenne so viele Pitches, bei denen sich die Leute in irgendwas verrennen oder nicht aufhören zu labern. Egal, wie lange du Zeit hast, man muss dir gerne zuhören, damit du die Leute nicht verlierst.

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Was würdest du sagen, braucht eine junge Frau, um ernst genommen zu werden?

Liza: Ich glaube, man wird so ernst genommen, wie man sich fühlt. Wenn man sich mit seinem Produkt und dem, was man darüber sagt, wohlfühlt, bekommt man eine ganz eigene Ausstrahlung. Die überträgt sich sofort, wodurch man automatisch ernst genommen wird. Das ist dieses Feuer, das in Wirklichkeit bei der Idee entflammt, wenn man etwas Neues erschafft. Das muss man sich erhalten und weitertragen.

Die Alkoholbranche wirkt recht männerdominiert, wie geht es dir da als Frau?

Liza: Seit ich angefangen hab, hatte ich noch nie ein komisches Gefühl. Es ist wirklich ein Klischee, dass nur Männer Alkohol produzieren und damit handeln. Ob es tatsächlich so ist, kann ich nicht sagen, aber man spürt es bei den Kund:innen. Einmal habe ich eine Lieferung zugestellt, da sagten die Leute zu mir: “Ah, haben sie heute die Praktikantin geschickt.” Man kommt gar nicht drauf, dass ich hinter dem allen stecken könnte. Ich sagte nur: “Ja, der Chef zahlt gut.” Ich geh gar nicht darauf ein, mir ist das wirklich egal. Ich glaube auch nicht, dass es mir schadet, dass ich eine Frau bin. Für mich steht immer das Produkt im Vordergrund.

Das heißt, du willst dich nicht groß als Frau und Unternehmerin darstellen?

Liza: Unbewusst vielleicht. Leute kaufen ein Produkt auch wegen der Person, die dahintersteht. Wenn die Leute mich kennenlernen und den Konnex zu meinem Produkt checken, hoffe ich einfach, dass ihnen das taugt. Aber ich gehe nicht bewusst raus und sage, hey, übrigens ich bin eine Frau. Man soll einfach sehen, dass das meine Leidenschaft ist. Das bin quasi ich, abgefüllt in einer 0,33-Flasche.

Wie sieht deine Vision für Rost aus?

Liza: Meine Vision ist, dass die Leute nicht mehr fragen, was Rost ist, sondern an die Bar gehen und sagen: “Hallo, ich hätte gerne einen Rost.”

Feature

Liza Brandstätter

cheersrost.com

Text: Lauren Seywald

Fotos: Patricia Weisskirchner

Juli 2021