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Gefühl in der Tasse

Wie ist dein Gibun heute? So fragt man in Korea jemanden, wie es ihm oder ihr geht. Gibun bedeutet Gefühl. Und das ist es, was die beiden Gründerinnen Seh-Ra und Kerstin mit ihrem Gibun Tea ansprechen möchten. Es geht darum, authentisch und offen zu seiner Stimmung zu stehen. Egal, wie es einem gerade geht, es ist okay. So die Idee des Startups.

Eigentlich wollten Kerstin und Seh-Ra ein Unternehmen gründen, das Penis Piñatas herstellt. Naja, solche Scherze entstehen schon mal, wenn man einen schnöden Angestellten-Job hat. Die beiden arbeiteten in der Gesundheitsbranche. Kerstin kam aus den Naturwissenschaften, Seh-Ra war die Wirtschaftswissenschaftlerin. Die Penis-Piñatas-Produktion war der Running Gag in den Kaffeepausen und beim After-Work-Drink. Aber es kam anders.

Seh-Ra entdeckte ihre Leidenschaft für Tee. In Korea, wo sie ihre Wurzeln hat, ist die Tee-Kultur eine Tradition mit eigenen Zeremonien. Sie machte einen Tee-Sommelier-Kurs in London, in dem sie alles über Sorten, die richtige Zubereitung, die unterschiedliche Wirkung und die Herkunft von Tee lernte. Dann lugte sie über den Rand der Teetasse hinaus und machte sich selbständig. Es passte alles zusammen, Kerstin und sie waren gerade Mütter geworden und nutzten die Zeit zu Hause, um die Idee mit dem Tee richtig gut ziehen zu lassen. Tee in seiner reinsten Form.

Es war klar, dass sie keinen Bullshit in ihren Tees haben wollten. Also keine Pestizide, keine künstlichen Aromen und kein Mikroplastik, wie das bei manchen herkömmlichen Tees der Fall ist. Einige Teebeutel bestehen zu achtzig Prozent aus Papier und zwanzig Prozent aus Polypropylen, also Plastik. Das heißt, dass sich mit jedem Aufguss die Mikropartikel lösen und in unseren Körper und damit in die Umwelt gelangen. Gleiches gilt für die Pestizide, die beim Anbau der Zutaten zum Einsatz kommen. So etwas kam den beiden Teeliebhaberinnen keinesfalls in die Tassen.

„Wir haben den Hersteller unseres Vertrauens gefunden, der uns gemeinsam mit einem Tea-Taster-Team hilft, unsere vielen Ideen zu realisieren“, erzählt Seh-Ra. Durch das Netzwerk können sie reinen biologischen Tee anbieten, der individuell zusammengestellt wird. Die Zutaten kommen überwiegend aus Europa. Wenn sie nicht hier wachsen, müssen Länder wie China, Japan oder Korea aushelfen. Südafrika ist traditionell für den Rooibos zuständig. Aber eine Essenz fehlte noch, um endgültig bereit für den Markt zu sein: Gibun. Das koreanische Gefühl.

„In Korea spielen Emotionen, die man hat, wenn man etwas tut, eine große Rolle“, sagt Seh-Ra. „Es geht darum, etwas bewusst zu machen. Daher ist es üblich, in Korea nach dem Gibun zu fragen: Gibun Ottae? Wie ist dein Gefühl?

Kerstin und Seh-Ra wollen signalisieren, dass jedes Gibun ok ist, positiv oder negativ, alles ist erlaubt, solange es authentisch ist. Dieser Gedanke legt sich wie ein Mantra über Gibun Tea. Für die beiden muss ein Mantra nämlich nicht immer positiv und sanft sein. Es kann auch einfach heißen: He, geht mir nicht auf die Nerven. Shut the fuck up. „Nennen wir die Dinge beim Namen. Es ist okay, wenn man sich schlecht fühlt. Man muss die negativen Gefühle nicht sofort wegschieben. Wir wollen damit keine Gargamel-Mentalität befeuern, sondern eher sagen, dass man Gefühle  zulassen und in sie hineinfühlen soll, um dann nach vorne Blicken zu können.“ Eine Tasse „Gibun-Tee“ soll daran erinnern, sich bewusst seiner Emotionen gewahr zu werden und sich zu fragen, „Wie ist mein Gibun heute?“

Für jede Stimmung gibt es die passende Sorte Tee, so die Idee des Startups. Die Namen sind entsprechend gewählt. Die I usually care today I don’t-Mischung mit Verbene und Lavendel sollen einen genau dort abholen, wo die Stimmungskurve gerade steht. Tee aufgießen, und die Welt hat Sendepause. Der Fokus liegt nur auf einem selbst. Um danach wieder richtig durchzustarten, kommt der Beast Mode-Tee zum Einsatz. Der extra starke Grüntee mit Minze energetisiert für den Tag. Und sollte noch einmal ein Wintereinbruch kommen, verzieht man sich einfach mit einem Winter is Coming in der Tasse auf die Couch und schaut sich eine Folge Game of Thrones an. In den Gibun Teas steckt also richtig Emotion drinnen, und das ist gut so.

Mit dieser Mischung haben Kerstin und Seh-Ra ihr Unternehmen im vergangenen Dezember gelauncht. „Ich glaube, es ist wichtig, dass man einfach mal beginnt, ohne den kompletten Plan für sein Unternehmen zu haben“, sagt die gebürtige Wienerin. „Einfach mal machen und währenddessen weiter lernen und umsetzen.“ Mit dieser Strategie fahren die beiden sehr gut. Es gibt so viele, die immer nur darüber reden, sich eines Tages selbstständig machen zu wollen, sich aber im Konzept verlieren und nie den ersten Schritt setzen. „Wir sind Macherinnen“, sagt Seh-Ra stolz.

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Ihr Unternehmen ziehen die beiden Frauen neben ihrem Beruf als Mama auf. Wie sie das schaffen? Durch ein gut etabliertes, laufendes System, in dem einige Produktionsschritte ausgelagert sind. Natürlich machen Kerstin und Seh-Ra vieles selbst, aber man darf auch mal etwas abgeben. Übrigens auch die eigenen Kinder. „Unsere Männer stehen voll hinter uns, ohne sie wäre es nicht gegangen. Ich glaube, da müssen alle an Bord sein, sonst ist es schon noch einmal schwerer“, sagt die junge Mutter.

Familie und Karriere bringen die beiden Gründerinnen also wunderbar unter einen Hut. Besonders, wenn die Kleinen früh schlafen gehen. Die Arbeitsschritte laufen alle digital und im Homeoffice ab. „Wir brauchen fast nur unser Handy, damit können wir alles erledigen. Das macht vieles einfacher.“ Seh-Ra arbeitet überwiegend von München aus und Kerstin in Wien. Was positiv dazukommt, ist die Community unter Unternehmerinnen. „Ich finde extrem positiv, wie gut Frauen-Unternehmer zusammenhalten. Das ist schon etwas, das sich von männlich geführten Unternehmen unterscheidet. Frauen unterstützen Frauen. Das gibt Kraft und ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Wir ziehen Kooperationsanfragen auch irgendwie an, was ich super finde“, sagt Seh-Ra.

Die Zukunft sieht also gut aus für das Startup, und die nächsten Schritte sind schon gesetzt. Neue Teemischungen und original koreanisches Porzellan sollen bald neue Gefühle ins Sortiment bringen. Bis es soweit ist, können wir herrlich Abwarten und Gibun Tea trinken.

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Feature

Seh-Ra Klepits

Gibun.at

Text: Lauren Seywald

Fotos: Patricia Weisskirchner

März 2022

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